Ganztagsschule – Wie geht es?

Die SPD Geesthacht hatte zum Bildungsdialog eingeladen.  Zum Auftakt am 11.08. waren Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe und Sabine Schratzberger-Kock in Vertretung von Schulrätin Karin Thomas gekommen. Moderiert von Hicran Hayik-Koller, Vorsitzende des Geesthachter Bildungsausschusses entwickelte sich vor 50 Gästen eine Diskussion zum Thema Ganztagsschule. Gekommen waren Elternvertreter und Elternvertreterinnen, Lehrkräfte, Schulleitungen und weitere Interessierte.

Die Besucher und Besucherinnen konnten – auch anonym – über eine Slido-Abfrage virtuell Fragen stellen und ihre Meinung kundtun. Schnell kristallisierten sich Ergebnisse heraus – schulischer Ganztag, das war für viele Gäste Hausaufgabenbetreuung, warmes Mittagessen, Sportangebote und freies Spiel.

Hier knüpfte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe nahtlos an. Er zeigte die Chancen und Schwierigkeiten der verpflichtenden Ganztagsschule auf.  „Nach wie vor gibt es Skepsis bei Eltern gegenüber der verpflichtenden Ganztagsschule. Dieser Skepsis begegnen wir in Hamburg durch eine Wahlmöglichkeit. Hamburg hat ein 2-Säulen-Modell mit offener Ganztagschule – die Schule und ein Träger organisieren einen offenen Ganztag – und mit verpflichtender Ganztagsschule. Hier ist die Schule für den gesamten Tag verantwortlich. Aktuell wählen 2/3 der Schulen das Modell der offenen Ganztagschule und 1/3 bietet eine verpflichtende Ganztagschule an. In den Grundschulen haben wir aktuell zu 85% Ganztagsbetreuung. Damit hat Hamburg nahezu den Rechtsanspruch auf Ganztagschule und eine Betreuung bis zur 6. Klasse bereits umgesetzt. Das Bundesgesetz plant bis zur 4. Klasse.“

Die Ganztagskoordinatorin der Grund- und Gemeinschaftsschule in Wentorf, Frau Schratzberger-Kock warb für Beteiligungsprozesse. Diese würden helfen, ein akzeptiertes Ganztagsangebot zu schaffen. Das Mittagessen in der Wentorfer Schule ist z.B. verpflichtend. Kein Ganztag ohne Mittagessen.

In Geesthacht liegt die Betreuungs- und Ganztagsquote bis Klasse 4 bei ca. 45 %. Für die Umsetzung des Rechtsanspruchs, den die SPD auf Bundesebene anstrebt und in den Koalitionsvertrag verhandelt hat, ist also noch einiges zu tun.  „Für eine Stadt wie Geesthacht bedeutet dies eine größere finanzielle und auch personelle Herausforderung. Hier benötigen wir auch finanzielle Unterstützung aus Kiel“, stellte Hicran Hayik-Koller fest.

Ties Rabe erinnerte daran, dass für Schulpolitik die Akzeptanz der Eltern sehr wichtig ist. „Daran muss gemeinsam gearbeitet werden. Ganztagsschule trägt zur Integration bei, entlastet Familien, sorgt für soziale Kontakte und hilft, Nachteile abzubauen.“

Breiten Raum in der Diskussion nahmen Fragen wie Ziele von Ganztag, Akzeptanz der Eltern, Erwartungen an den Ganztag, Raum(doppel)nutzung, Mittagessen ein.  Zur umstrittenen Doppelnutzung von Räumen war die Antwort des Hamburger Senators eindeutig: Doppelnutzung ist gut möglich und machbar. Voraussetzung ist allerdings, dass niemand seine Interessen für allein ausschlaggebend hält. Kompromisse seien notwendig. Aus Sicht einiger Gäste kam die Diskussion zur Situation in Geesthacht zu kurz. Hier versprach Christine Backs, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende die Fortsetzung des Dialogs: „Heute war ein guter Auftakt. Wir planen weitere Dialoge zur Bildung in Geesthacht.“